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7 Irrtümer rund um den Hund, die auch du kennst

7 häufige Irrtümer zum Hund, die auch du kennst

 

In diesem Artikel erfährst du

  • welche Irrtümer rund um den Hund kursieren
  • was davon zu halten ist
  • wie du es vermeidest ihnen aufzusitzen

 

Auch kluge Menschen Tappen in die Falle

 

Die meisten Menschen, die zu mir ins Training kommen bringen gleich zwei positive Eigenschaften mit sich. Sie sind sehr intelligent und sie sind menschlich. Was im ersten Moment nach wahren Tugenden klingt, bringt leider auch Schwierigkeiten mit sich. Denn umso menschlicher man ist, umso eher ist man geneigt das eigene Handeln zu hinterfragen. Das positive daran? Man bleibt neugierig und offen, und ist jederzeit bereit neue Sichtweisen zu erlangen. Oder Ratschläge anzunehmen. Allerdings kommt man nicht umhin den ein oder anderen unreflektierten Ratschlag zu erhalten. Mit etwas Glück gerät man hier rüber nur ins Staunen. Doch je unsicherer man ist, desto eher steigt die Bereitschaft Tipps zur Hundeerziehung umzusetzen, die man unter anderen Umständen selbst als merkwürdig abtun würde.

 

In diesem Artikel möchte ich dir sieben der häufigsten Fehlannahmen zeigen, und dir helfen Ratschläge zu erkennen, die du einfach nicht gebrauchen kannst. Zukünftig landen dann auch für dich merkwürdige Tipps da, wo sie hingehören: In die imaginäre „Merkwürdig-Kiste“.

 

Mythen und Irrtümer in der Hundeerziehung

Irrtum Nr. 1


Der Hund darf dir nicht hinterherlaufen

 

Stell dir folgende Situation vor, die eine meiner Kundinnen erlebt hat:

Du gehst zu einem Hundetrainer, weil dein Hund manchmal nicht so gut hört. Eigentlich bist du sehr zufrieden mit deinem Hund. Oder warst es zumindest. Bis der Hundetrainer kam. Dieser stellt pikiert fest: Alles, einfach alles läuft schief. Aber nicht, weil dein Hund lieber schnüffelt als zu dir zu kommen, wenn du ihn rufst, sondern, weil er dir in der Wohnung hinter her läuft, wenn du zum Beispiel das Zimmer wechselst. Der Hundetrainer teilt dir schon gleich in den ersten fünf Minuten mit: Dein Hund darf dir nicht hinter her laufen.

 

Aha, und wieso nicht? Ganz einfach: Läuft der Hund dir hinterher, so will er dich kontrollieren. Im Haus versteht sich. Draußen soll er aber nur hinter dir laufen. Oder neben dir. Das hat dann aber wieder mit Respekt zu tun, nicht, dass du das falsch verstehst.

 

Bei dem Gedanken: „Der Hund will mich kontrollieren“ geraten auch sehr kluge Menschen leicht in Panik. Auch ich würde mich komisch fühlen, bei der Vorstellung, mein Hund wechselt mit mir die Etage...weil er mich kontrollieren möchte.

 

Aber was ist eigentlich dran an dieser Ansicht?

Du wirst es sicher ahnen: So ziemlich gar nichts.

 

Warum der Hund dir wirklich hinter her läuft

Vielleicht mag dein Hund dich einfach. Und weil er dich mag, folgt er dir auch gerne mal, wenn du den Raum verlässt. Es ist ihm halt nicht egal, wo du bist. Weil er an dir hängt. Das nennt man Bindung und das ist auch gut so. Weder möchte dein Hund dich in anmaßender Weise kontrollieren, noch denkt er jedes Mal wenn er aufsteht, um dir zu folgen: „Ich muss (jetzt schon wieder) aufstehen, um Frauchen oder Herrchen zu kontrollieren.“

 

Wenn eine Hundemutter von ihren Welpen verfolgt wird, kommt man auch nicht auf die Idee, dass diese sie kontrollieren wollen.

Vielleicht müssen wir das aber auch noch der ein oder anderen Hündin erklären...

 

💡 Gut zu wissen:

Die Gründe dafür, dass dein Hund dir gefühlt ständig hinter her läuft, können vielfältig sein. Tatsächlich gibt es Hunde die total verschreckt aufspringen, sobald Frauchen aufsteht. In diesem Fall ist es möglich, dass der Hund dir nicht einfach neugierig und entspannt folgt. Ihm deshalb einen nicht enden wollenden Kontrollwahn zu unterstellen, wäre aber auch in diesem Fall mächtig weit her geholt. Du siehst also, es ist ungemein wichtig, nicht alles zu glauben was man hört. Und ruhig auch mal Gegenfragen zu stellen.

Irrtum Nr. 2


Der Hund will dich beschützen

 

Viele Menschen denken, der Hund möchte sie beschützen.

Das ist dann die allgegenwärtige Erklärung für jegliches Bellverhalten. Draußen. Zuhause. Überall.

 

Dabei ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass Hunde, die sich in irgendeiner Art und Weise „aufführen“, dies fast immer tun, um ihre Menschen zu beschützen. Meistens sind sie damit beschäftigt sich selbst zu schützen. Nur sich selbst.

Warum Bellt der Hund Dann?

Bellen ist eine von vielen Möglichkeiten um sich auszudrücken.

Und zwar eine mit Nachdruck. Wenn dein Hund einen anderen Hund oder Menschen anbellt, kann das viele Gründe haben.

Meistens hat ein Hund, der bellt selbst ein Problem. Das kann sowohl an einer bestimmten Situation liegen, als auch am Gegenüber. Wie dem auch sei. In der Regel ist der Hund zumindest nicht damit beschäftigt dich zu beschützen.

💡 Gut zu wissen:

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ein Hund der seine(n) Menschen liebt, wird ihn unter Umständen auch schützen.

Diese Umstände könnten sein, dass plötzlich jemand auf dich los geht. Nicht, weil jemand an dir vorbei geht. Auch wenn Hunde die gerade irgendwen oder irgendwas verbellen, sich meistens selbst schützen wollen, heißt das nicht dass dein Hund dich nicht trotzdem beschützen würde, wenn es darauf ankommt.

Da wir gerade davon sprechen, dass Hunde eine eigene Wahrnehmung haben, kommen wir auch schon zum nächsten Irrtum.

 

Irrtum Nr. 3


Alles was der Hund macht, tut er wegen dir

Das ist nicht nur ein weit verbreiteter Irrtum, sondern ich denke tatsächlich "der weitverbreiteste Irrtum", den es überhaupt gibt.

Wenn der Hund nicht hört, macht er es, um dich zu ärgern.

Verbellt er irgendwas, macht er es um dich zu beschützen. Also wegen dir. Will er freundlich zu jemandem hin, macht er das, weil du diesen jenigen magst. Also wieder wegen dir. Hat er Angst vor irgendwas, wirst du ihm wohl irgendwas furchtbares vermitteln. Er hat also nur wegen dir Angst. Und auch sonst macht der Hund alles nur: Wegen dir. Entweder um dir zu gefallen. Oder um dich zu ärgern.

Was viele vergessen ist die Tatsache, dass Hunde ein eigenes Selbst haben, ganz eigene Empfindungen und eine vom Halter völlig unabhängige Meinung. Die kann durchaus auch mal konträr zu den menschlichen Vorstellungen stehen.

 

Hier ein paar Beispiele:

 

- Du und dein Hund, ihr habt neuerdings was gemeinsam. Ihr liebt den gleichen Teppich. Dabei hast du diesen Teppich gerade erst gekauft. Manchmal scheint dein Hund die Fransen anzukauen. Und das, obwohl du ihm schon ein paar Mal gesagt hast, er soll's lassen. Nein, er macht es nicht um dich zu ärgern. Er wird wohl seine eigenen Gründe haben.

 

- Dein Hund frisst Kot, obwohl du ihm schon zehn Mal gesagt hast, er soll „den Scheiß lassen“? Das ist nervig, und kommt aus vielen Gründen vor. Aber nicht wegen dir. Echt nicht.

 

💡 Gut zu wissen:

Die Vorstellung "Das macht der Hund wegen dir" ist eng mit dem eigenen Ego verknüpft. Sie spiegelt sich unterschwellig in vielen Problemen, die man mit dem Hund so haben kann, wieder.

Es ist daher wichtig genau zu schauen, inwieweit man das Verhalten des Hundes überhaupt auf sich beziehen kann. Tatsächlich gibt es Fälle bei denen das eigene Verhalten eng mit dem des Hundes verknüpft ist. Aber nicht nur. Und das ist eben wichtig zu wissen.

 

Wo wir schon dabei sind, kommen wir direkt zum nächsten Irrtum.

 

Irrtum Nr. 4 - Der Mythos mit den Grenzen

Der Hund testet seine Grenzen. Immer.

Es gibt kaum jemanden, der diesem Irrtum nicht aufsitzt.

 

Auch eine Kundin von mir haperte mit diesem Grundsatz. Sie hat sich einen Welpen angeschafft. Bereits in den ersten Tagen, bewegte sich der Welpe frei im Garten. Er stromerte über den Rasen und entdeckte freudig, was sein neues Zuhause ihm alles zu bieten hat. Zügig und unwissend machte er sich auf den Weg in die "ganz große" Tabu-Zone. Diese hieß: Blumenbeet. Er schnupperte an einer Blume, und begann dann vorsichtig dran zu schlecken. Sein Frauchen schaute mich an und sagt: "Ja, der testet seine Grenzen." Ich schaue sie an und sage: "Nee. Der probiert die Blumen."

 

Wir mussten beide lachen. Als ich sie fragte, wie sie auf die Idee kommt, dass der Hund seine Grenzen testen würde, sagte sie: "Ich habe ihm schon mal gesagt, er soll da nicht hin. Er macht es aber trotzdem. Der testet eben seine Grenzen." Das höre ich oft. Nicht nur bei Welpen. Auch bei erwachsenen Hunden. Die Leute unterstellen dem Hund

"das Grenzen testen" schon automatisiert. Immer dann, wenn der Hund etwas tut, was er nicht tun soll. Spätestens dann, wenn der Hund zum wiederholten Male etwas tut, was er nicht soll, steht für viele fest: "Der Hund testet seine Grenzen."

Das Problem dabei? Man kann eigentlich jedes unerwünschte Verhalten in diese Richtung deuten. Nicht nur bei Hunden auch bei Menschen.

 

Hierzu stellen wir uns folgendes Beispiel vor:

Dein Freund hat sich auf die Couch gesetzt und liest ein Buch. Du stehst in der Küche, und kochst. Du brauchst dringend Oregano, die Soße fängt gleich an zu kochen. Wo zum Teufel ist das Gewürz? Schnell!

 

Du rufst: "Schatz? Wo ist das Oregano?" Keine Antwort. Du rufst ihn öfter, aber er kommt einfach nicht.

Langsam wirst du stinksauer, es eilt, und er reagiert einfach nicht auf dich. Dabei erwartest du, dass er dir

  • schnell antwortet
  • sagt wo das (verdammte) Gewürz ist, oder noch besser
  • aufsteht und es dir sofort holt

Das sind deine Erwartungen. Weil du jetzt im Stress bist, sollten diese auch zügig erfüllt werden. Vielleicht hast du ihm auch schon mal gesagt, dass er gar nicht erst anfangen soll zu lesen, wenn es doch eh gleich Essen gibt. Du hast also jede Berechtigung genervt zu sein.

 

Jetzt kommen wir aber mal zu deinem Freund. Der will nämlich

  • einfach nur lesen
  • sich weiterbilden
  • entspannt sein
  • und freut sich, dass es gleich Essen gibt

 

Für manche wäre jetzt offensichtlich: Dein Freund testet seine Grenzen. Immerhin liest er, anstatt zu dir zu kommen. Dabei könnte sogar er behaupten, du würdest seine Grenzen testen.

Wenn ihr euch jeweils in den anderen hineinversetzt, wird schnell klar:

Niemand von euch testet seine Grenzen. Du bist einfach in der Küche beschäftigt, und gerade etwas ungehalten, weil du ein Problem hast.

Dein Freund will einfach nur lesen, und ist anscheinend tief in sein Buch versunken. Warum auch immer er nicht sofort antwortet, oder zu dir geeilt kommt: Er macht es nicht um seine Grenzen zu testen. Er hat auch nicht "wegen dir" angefangen zu lesen.

 

Kommen wir nochmal zurück zum Beispiel meiner Kundin.

Ihr Welpe hat einfach nur die Blumen untersucht, und gemacht was ihn interessiert, weil genau das ihn interessiert. Aber dann hat Frauchen angefangen ihre Grenzen zu testen...

 

💡 Gut zu wissen:

Generell gibt es viele Gründe für Hundeverhalten, und der seltenste ist das Testen von Grenzen. Dieser Mythos ist eng verknüpft mit dem "Das macht der Hund nur wegen dir". Oft wird der wahre Grund für Hundeverhalten gar nicht erkannt. So wird ihm quasi automatisch unterstellt: Macht der Hund etwas, was dem Menschen nicht gefällt, tut er das um seine Grenzen zu testen.

Du hast endlich deine Liebingsblumen gepflanzt, und dein Welpe findet Gefallen dran? Nein, der macht es nicht um seine Grenzen zu testen.

Er macht es, weil er sie von sich aus interessant findet.

Grenzen sind meistens strafen

Wenn man sich denkt "Der testet seine Grenzen.", fällt es einem schließlich auch sehr viel einfacher "Grenzen zu setzen". Diese Grenzen sind bei genauer Betrachtung häufig Strafen. Und das ist noch mild ausgedrückt. Bestenfalls wird der Hund nur angepflaumt, sobald er irgendwas tut, was er nicht soll. Häufig wird er aber auch durch die Gegend gezerrt, herunter geschubst, und manchmal sogar im Nacken gepackt, oder auf den Boden gedrückt. Eigentlich nur um ihm klar zu machen, "wo seine Grenzen sind". Wenn wir so was machen, hat das allerdings nichts mit Grenzen setzen zu tun, sondern viel mehr mit Grenzüberschreitungen. Im Gegenzug wundert man sich, wenn der Hund seinerseits grenzüberschreitend wird, und einem ständig in die Hände beißt, hochspringt, und irgendwann gar nicht mehr hört.  Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema...

Irrtum Nr. 5


Wenn der Hund nicht hört, bist du nicht interessant genug.

 

Bei diesem Satz muss ich oft an eine ganz bestimmte Kundin denken. Sie kam mit ihren zwei Huskys zu mir. Schon bei unserem Kennenlerntermin fiel mir sofort auf, dass sie dem „Typ Frau“ angehörte, der besonderen Wert auf ihr Äußeres legt.

Und darauf, dass ihre Huskys funktionieren. Normalerweise. Leider hat ihr zweiter Husky, eine Hündin, zunehmend den Gehorsam verweigert. Als ich sie fragte, was sie schon alles probiert hätte, zählte sie eine beachtliche Palette an Trainingsansätzen auf. Schließlich folgte ein Satz, der mich gleichermaßen lachen, wie staunen ließ:

„Ach weißt du... mit den Hunden ist es wie mit den Männern. Wenn er dich nicht beachtet, dann bist du nicht interessant genug.“

Ich musste lachen, und hielt den Satz für einen plumpen Scherz. Bis sie dann so richtig los legte: „Es ist doch wirklich so. Wenn er nach anderen Frauen guckt, dann bist du nicht hübsch genug. Du musst dich dann hübscher machen, und das Beste aus dir heraus holen. Dann sieht er erst was er verpasst. Wenn du ihn dann nicht beachtest, kommt er von alleine wieder an. Ich weiß, bei Hunden ist es auch so.“

Ab dem Punkt verstand ich langsam, dass sie kein besonders humorvoller Mensch war. Nein, sie hielt das für bare Münze. Bei Männern, und irgendwie auch bei ihrer Beziehung zu Hunden. Aber was macht ein Husky, wenn man ihn „ignoriert“ und ihm Futter als Belohnung anbietet, das ihn schon lange nicht mehr reizt?

Richtig, er macht einfach sein eigenes Ding. Was mit ihrem Mann laut ihrer Überzeugung irgendwie zu funktionieren schien, klappte bei ihren Hunden nicht.

 

Wie viele andere verfolgte diese Frau den Ansatz, um jeden Preis irgendwie interessanter zu sein. Sei es durch Belohnung, durch Spielen, oder, falls die Nerven mal blank liegen mit entsprechender "Ansage". Hauptsache irgendwie interessant. Das Problem dabei?

Wenn man einmal damit anfängt, beginnt eine regelrechte Spirale. Spielzeug hier, Futter dort, und oh, habe ich meinen Klicker auch dabei? Was vorerst funktioniert, kann so enden, dass selbst Highlights keine mehr sind. Das kann aber der falsche Weg sein. Zumindest dann, wenn man lieber einfach spazieren geht, anstatt immer zu gucken, wie man denn irgendwie interessanter ist.

 

💡 Gut zu wissen:

Es gibt einen großen Unterschied zwischen „interessant sein“ und sich interessant machen. Na klar, kann man mal mit dem Hund spielen. Auch Leckerlis werden zumeist gerne genommen. Es spricht also nichts dagegen dem Hund mal das ein oder andere Highlight zu bieten. Schwierig wird’s aber spätestens dann, wenn man glaubt, aus Prinzip interessanter sein zu müssen. Man ist dann nicht interessant für den Hund, sondern man macht sich interessant. Und genau darin liegt das Problem.

 

Mein Tipp? Sei interessant ohne dich interessant zu machen. Damit erntest du echtes Interesse, und wirst automatisch geschätzt.

Das Schönste was es gibt, ist doch entspannt sein zu dürfen, wie man ist. Ich persönlich finde es nicht entspannt, immer schauen zu müssen, was man machen kann, um „irgendwie interessant(er) zu sein“. Übrigens sehe ich das nicht nur bei Beziehungen zwischen Mensch und Hund so, sondern auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

Irrtum Nr. 6


Dein Hund muss dir weichen

 

Der Hund muss... wie bitte!?

Das war mein erster Gedanke, als ich diese Aussage erstmals hörte. Gemeint ist damit die Vorstellung, dass dein Hund dir immer auszuweichen hat, wenn du auf ihn zu gehst.

Dahinter steht die Vorstellung, dass der Hund dir Respekt entgegen zu bringen hat. Der Ausdruck: „Der Hund hat dir zu weichen.“ , erinnert mich dabei stark an ein königliches „Weiche von mir!“ Und da hört man auch schon gut heraus, welch „königlich“ anmaßende Haltung hinter einer solchen Annahme steckt. In einer vertrauensvollen Beziehung hat weder der Ausdruck, noch die hieraus resultierende Praxis irgendwas zu suchen.

 

 

💡 Gut zu wissen:

Ein höflicher Hund wird dir schon aus dem Weg gehen, wenn du geradewegs auf ihn zu gehst. Das tut er aber automatisch, wenn es die Situation hergibt. Es kann sein, dass er dich nur als verplant einstuft. Es ist aber auch möglich, dass er aus Angst überrannt oder angerempelt zu werden "weicht". Je schneller du auf ihn zu gehst, desto eher wird er das tun. Insbesondere dann, wenn du ihn im Rahmen deines Hundetrainings aus Prinzip "verscheuchst" wird er nicht mal mehr in deine Nähe kommen, wenn es nicht sein muss. Aber nicht weil er Respekt vor dir hat, sondern Angst. Respekt wird auch heute noch vielerorts mit Angst verwechselt.

 

Mein Tipp? Beginne bloß nicht, derartige Machtspielchen zu konstruieren.

Zeig ihm lieber, dass du Respekt und Achtung vor ihm hast. Das kannst du tun, in dem du zum Beispiel nicht einfach in ihn herein rennst.

Irrtum Nr. 7


Der Hund ist dominant.

Manche Menschen unterstellen dem Hund ein permanentes Machtstreben. Ursächlich dafür ist stark veraltetes Wissen in Bezug auf Wolf und Hund, sowie die mangelnde Bereitschaft sich mit eigenen  Glaubenssätzen auseinanderzusetzen.

Was nicht passt ist Gleich Dominanz

Für manche Menschen stellt sich gar nicht erst die Frage, wieso ein Hund macht, was er so macht. Es ist nämlich ziemlich einfach:

Läuft er weg, anstatt zu kommen, wenn man ihn ruft, so ist er dominant. Bellt er, wenn Besuch kommt, dann ist er dominant. Versteht er sich mit anderen Hunden nicht, ist er dominant. Gibt er dir sein Spielzeug nicht, ist er....ich weiß du kennst die Antwort mittlerweile auch: Dominant.

Es wäre zu schön um wahr zu sein. Für alles was der Hund tut, und nicht tun soll, gibt es eine einzige Diagnose: Ausgeprägter Kontrollwahn! Die Ursache hierfür? Auch ganz klar: Dominanz!

Die Lösung ist dann ganz einfach. Egal was der Hund macht, wir müssen seinen Menschen dazu erziehen, den Hund unterzuordnen. Nur so lässt sich dem grenzenlosen Kontrollwahn des Hundes beikommen. Wenn wir dann noch dafür sorgen, dass die Dominanz des Hundes durch die stets noch größere Dominanz des Menschen überschattet wird, ist es uns endlich gelungen: Wir sind der Hundeführer. Das allumfassende Alphatier in Menschengestalt, halb Wolf, halb Mensch. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Klingt so schön einfach und klar. Ist es aber eben nicht.

 

💡 Gut zu wissen:

Es gibt etliche Gründe, warum ein Hund tut, was er nicht tun soll. Oder auch nicht tut, was er soll.

In den seltensten Fällen handelt es sich überhaupt um Dominanz, und selbst wenn, tritt sie eher in bestimmten Situationen auf, als generalisiert. Ganz gleich wie „unerzogen“ der Hund sich verhält, zumeist ist er eines nicht: Dominant.

 

Mein Tipp? Ich weiß, es ist kein schönes Gefühl, wenn der Hund sich anders verhält, als du es dir vorstellst. Es kann richtig frustrierend sein, wenn der Hund alles macht, nur nicht das, was er soll. Es ist aber unglaublich wichtig zu wissen, warum genau der Hund macht, was er macht. Sonst bekämpfst du Probleme nur an der Oberfläche. Deshalb mein Tipp: Mache einen Riesenbogen um Ratschläge, die dir versichern, alles wäre nur eine Frage der Dominanz. Das stimmt so gut wie nie.

 

An dieser Stelle darf man sich ruhig fragen, wie es eigentlich mit den Menschen aussieht, die so was behaupten. Wie dominant sind die eigentlich? Gut. Das ist dann aber auch wieder ein anderes Thema...

Wie erkennt man Irrtümer rund um den Hund?

Es ist gar nicht so einfach Fehlannahmen und Irrtümer zu erkennen.

Jeder kommt früher oder später mit ihnen in Kontakt. 

Das ist auch nicht weiter schlimm. So lange man nicht alles ungefragt glaubt und verinnerlicht. Du musst kein Experte sein, um zu wissen, was dir und deinem Hund gut tut. Wenn du einfach nur diese Tipps befolgst, läufst du deutlich weniger Gefahr Irrtümern aufzulaufen:

 

  • Glaube nicht alles was du hörst, oder was man dir sagt
  • Mache einen Riesenbogen um Menschen, die alles besser wissen und dich auch ungefragt mit Ratschlägen überhäufen
  • Mache nichts mit deinem Hund, was du selbst eigentlich nicht willst
  • Lass die Finger von "DEN wundersamen Methoden"
  • Höre niemals auf Fragen zu stellen
  • Höre deutlich auf dein Bauchgefühl

 

Und schließlich noch ein weiterer Tipp, der mir sehr am Herzen liegt, weil er vermutlich am meisten hilft.

Fange niemals an jemanden oder etwas zu idealisieren. Keinen selbsternannten Hundeexperten, keine Hundetrainingsmethode, und auch keinen Hundetrainer. (Auch nicht mich.)

Wenn man beginnt jemanden oder etwas zu idealisieren, hört man automatisch auf Fragen zu stellen. Und genau das ist das Problem.

Irrtümern sitzt man nur auf, weil man aufgehört hat Fragen zu stellen. Warum auch immer...

 

Ich hoffe ich konnte dir dabei helfen, für dich selbst etwas mehr Klarheit im Dschungel der Hundeerziehungstipps zu erlangen.

 

Möchtest du auch zukünftig mehr den Fokus auf das legen, was dich und deinen Hund glücklich macht?


 

Ein Artikel von

Eilina Ludwig ©

(Hundepsychologin und Hundetrainerin)

Hundeschule Nürnberger Hund

Aus der Reihe: "Hundeerziehung"

Datum der Veröffentlichung: 04.03.2021

© Alle Rechte vorbehalten..

Wer schreibt hier?

Ich bin Lina.

Als Hundepsychologin und Hundetrainerin helfe ich Menschen dabei ihre Hunde besser zu verstehen.

Dieser Artikel ist der erste aus der Reihe

"Hundeerziehung".

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Kommentare: 2
  • #1

    Lena (Montag, 15 März 2021 20:39)

    Ich schmunzel noch. Danke für den Beitrag.

  • #2

    Thomas K (Freitag, 26 März 2021 07:08)

    Hey Lina.
    Du sprichst mir aus der Seele. Das Internet ist voll mit diesem ganzen Müll.
    Ist halt nicht leicht selber zu denken wenn man es auch lassen kann.
    Es ist nix dabei was man nicht schon mal gehört hat. Was für ein Nonsense. Aber wie du schon sagst. Man muss erstmal dahinter kommen.
    Sehr gut erklärt und ich glaub niemand kann das lesen ohne zu lachen.
    Gerne mehr davon!
    Beste Grüße aus Fürth
    Thomas